Griechische Landschildkröte - 

Testudo hermanni

Quelle: wikipedia.de; W. Wegehaupt (GNU-Lizenz)Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist eine von drei im europäischen Teil des Mittelmeerraumes beheimateten Landschildkrötenarten der Gattung Testudo und kommt in zwei Unterarten vor, Testudo hermanni hermanni und Testudo hermanni boettgeri. Griechische Landschildkröten sind überwiegend herbivore, die ein dem Menschen vergleichbar hohes Alter erreichen können. Die Zerstörung ihrer angestammten Lebensräume und ihre Beliebtheit als Haustier  haben den Wildtierbestand inzwischen stark gefährdet und Schutzmaßnahmen für ihren langfristigen Erhalt unabdingbar werden lassen.

Beschreibung
Die Griechische Landschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße Landschildkröte von etwa 20 Zentimeter Länge mit einem starren Bauchpanzer (Plastron), der auch bei Weibchen kein Scharnier vor den Hinterbeinen aufweist. Der Rückenpanzer (Carapax) ist mäßig hoch gewölbt. Er verbreitert sich meist etwas zum Schwanzende hin und wirkt deshalb in der Aufsicht oval bis leicht trapezförmig. Wie bei den meisten Schildkröten wird die aus Knochenplatten bestehende Panzerkapsel von dünnen Hornschilden bedeckt, wobei der so genannte Schwanzschild bei Testudo hermanni meist geteilt ist. Die Grundfärbung des Panzers ist gelb bis oliv mit einer dunklen Fleckung, die individuell und unterartbedingt verschieden stark ausgeprägt ist.
Jungtiere schlüpfen mit einer deutlichen und kontrastreichen Zeichnung des Panzers aus dem Ei. Bei älteren Tieren wird die Färbung und Zeichnung zunehmend verwaschen. Kopf und Vorderbeine besitzen kleine bis mittelgroße Schuppen, die Vorderbeine haben meist fünf Krallen, bei manchen Unterarten auch nur vier. Die Hinterextremitäten haben stets vier Krallen. Die Grundfarbe von Kopf und Extremitäten ist gelblich bis braun, beide sind hell und dunkel geschuppt. Testudo hermanni weist bei beiden Geschlechtern am Schwanzende einen Hornnagel  auf, der bei den meisten anderen Vertretern der Gattung meist nicht vorhanden ist. Von der in Zeichnung, Färbung und Größe recht ähnlichen Maurischen Landschildkröte unterscheidet sich die Griechische Landschildkröte außerdem deutlich durch das Fehlen von Hornkegeln zwischen Schwanz und Hinterbeinen.

Systematik und Unterarten
Die Griechische Landschildkröte wurde lange als Testudo graeca bezeichnet. 1925 gab ihr Flower wieder den Namen Testudo hermanni. Die 2006 von Lapparent de Broin u. a. geforderte eigenständige Gattung Eurotestudo wurde von anderen Wissenschaftlern und CITES nicht übernommen, zumal mittlerweile feststeht, dass in diesem Fall die ältere Gattungsbezeichnung Chersine zur Verfügung stehen würde.
Auch um Namen und Anzahl der Unterarten gab es einige Verwirrung, da Gmelin bei der Erstbeschreibung im Jahre 1789 ein Fehler unterlaufen war. So wurden als Testudo hermanni hermanni zunächst Tiere der östlichen Verbreitungsgebiete bezeichnet, solche der westlichen Verbreitungsgebiete dagegen als Testudo hermanni robertmertensi. Heute werden allgemein zwei Unterarten anerkannt:

Testudo hermanni hermanni, Gmelin 1789
Der Rückenpanzer dieser Unterart ist etwas höher gewölbt und hat eineQuelle: wikipedia.de; Adele L. (GNU-Lizenz) intensivere Gelbfärbung. In starkem Kontrast dazu stehen die gut abgegrenzten und symmetrischen, schwarzen Färbungselemente, die oft über die Hälfte der Fläche einnehmen. Auf dem Rückenpanzer oberhalb des Schwanzes befindet sich eine charakteristische, schwarz eingefasste Schlüssellochzeichnung. Der Bauchpanzer hat zwei zusammenhängende, schwarze Bänder entlang der Mittelnaht. Die Vorderfüße besitzen in der Regel an ihrer Unterseite keine schwarze Pigmentierung. Die Basis der Krallen ist oft hell gefärbt.
Verbreitung: Ostspanien, Südfrankreich, Balearen, Korsika, Sardinien, Mittelitalien (Toskana). Die auf den Mittelmeerinseln lebenden Populationen beruhen auf Ausbringung durch den Menschen








Testudo hermanni boettgeri, Mojsisovics 1889Quelle: wikipedia.de; Adele L. (GNU-Lizenz)
Der Rückenpanzer von T. h. boettgeri ist etwas weniger hochgewölbt als bei der westlichen Unterart. Die Färbung des Panzers ist stroh- bis olivgelb mit schwarzen Flecken, insgesamt jedoch nicht ganz so kontrastreich wie bei der Nominatform. Der Bauchpanzer ist fast immer hornfarben und weist zu beiden Seiten der Mittelnaht nur einzelne schwarze Flecken auf, zumeist keine Bänder. Der Kopf hat eine bräunliche bis schwarze Färbung und die Basis der Krallen weist eine dunkle Färbung auf.
Verbreitung: Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Griechenland, europäischer Teil der Türkei.




Unterscheidungsmerkmale
Griechische Landschildkröten besitzen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen zeigen deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich mit etwa vier bis sechs Jahren ausprägen. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Tiere sind nicht nach Geschlechtern unterscheidbar.
Erwachsene Männchen haben einen längeren Schwanz und eine dickere Schwanzwurzel, in der der Penis verborgen ist und zur Begattung und zum Kot- Quelle: wikipedia.de; Bizarria (GNU-Lizenz)und Urinabsetzen ausgestülpt wird. Der Hornnagel am Schwanzende kann bei einem älteren Männchen eine beachtliche Größe annehmen. Der Bauchpanzer ist leicht nach innen gewölbt (konkav), um bei der Paarung nicht vom Weibchen abzurutschen. Auch die Form der Schwanzschilde des Bauchpanzers und das Oberschwanzschild des Rückenpanzers charakterisieren das Männchen. Weibchen sind dagegen insgesamt größer und schwerer als Männchen, und ihre Kloake liegt näher am Körper. Ihr Hornnagel ist wesentlich kleiner und leicht nach innen gebogen. Der Bauchpanzer ist eben.



Verbreitung
Quelle: wikipedia.de; Mkljun (GNU-Lizenz)
Die Griechische Landschildkröte besiedelt große Teile des europäischen Mittelmeerraumes. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Spanien (Katalonien) über Südfrankreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien bis in den europäischen Teil der Türkei. Außerdem sind zahlreiche Inseln im Mittelmeer besiedelt.

Fortpflanzung
Das Männchen verfolgt und umkreist das Weibchen unablässig und versucht es durch kräftiges Beißen in die Beine am Davonlaufen zu hindern. Bisse in den Kopf veranlassen das Weibchen, den Kopf einzuziehen, wobei die Kloake leicht hervortritt. Jetzt kann das Männchen aufreiten.

Bei den so genannten Friktionsbewegungen vor der eigentlichen Kopulation öffnet das Männchen das Maul und stößt piepsende Laute aus, die möglicherweise stimulierend auf das Weibchen wirken. Bei den Paarungsversuchen von T. h. boettgeri kann das Männchen dem Weibchen schwere Paarungsverletzungen durch seinen langen Hornnagel zufügen. Männchen sind das ganze Jahr paarungswillig, besonders ausgeprägt im Frühjahr und vor allem im Herbst. Die Paarungsversuche des Männchens verlaufen aber häufig ergebnislos. In einer Untersuchung kam es in weniger als einem Prozent der Versuche zur vollzogenen Paarung.  Als Ausgleich dafür dient vermutlich die Fähigkeit des Weibchens, Samen aus früheren erfolgreichen Paarungen über längere Zeit, möglicherweise Jahre, zu speichern und so die heranreifenden Eier auch ohne erneute Paarung zu befruchten.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Landschildkrötenarten ist das Verhältnis der Geschlechter erwachsener Tiere untereinander in sehr vielen natürlichen Populationen nicht ausgewogen, sondern teilweise stark zugunsten der Männchen verschoben. Als Ursache dafür wird, neben früherem Eintritt der Geschlechtsreife bei Männchen, vor allem die kürzere Lebenserwartung der Weibchen angegeben

Die Brutpflege beschränkt sich wie bei den meisten Schildkrötenarten auf die sorgfältige Auswahl des Eiablageplatzes in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit und vermutlich auch Nahrungsangebot beziehungsweise Deckung für die schlüpfenden Jungtiere. Das Schildkrötenweibchen verlässt hierzu häufig Quelle: wikipedia.de; Krüger (GNU-Lizenz)sein angestammtes Territorium und sucht lange, bis es einen passenden Platz gefunden hat. Dieser wird oft über Jahre beibehalten. Hat es ihn gefunden, gräbt es mit den Hinterbeinen eine relativ tiefe Eigrube, in die es vorsichtig die Eier platziert. Danach wird die Grube sorgfältig wieder zugeschaufelt und der Nachwuchs der Sonne zum Ausbrüten überlassen. Griechische Landschildkrötenweibchen legen zwei- bis dreimal im Jahr bis zu 14 hartschalige Eier, im Mittel aber drei bis sechs pro Gelege. Die Eier wiegen durchschnittlich 16 Gramm und haben einen Durchmesser von 35 bis 37 Millimeter. Die Gelegegrößen variieren bei den verschiedenen Populationen.
Die kleinen Schildkröten schlüpfen von Ende August bis Ende September nach einer durchschnittlichen Brutdauer von etwa 90 Tagen, in Frankreich bis zu 110 Tagen, in Rumänien bis zu 124. Wenn herbstliche Regenfälle die ausgetrocknete Erde aufweichen und ein reiches Nahrungsangebot versprechen, graben sie sich in gemeinsamer Anstrengung aus der Eigrube nach oben.

Schutzstatus
Wie alle europäischen Landschildkröten ist T. hermanni, insbesondere die westliche Unterart, in ihren Heimatländern im Bestand bedroht. Die IUCN stuft den Gesamtbestand der Griechischen Landschildkröte als „gering gefährdet“ ein, während die Nominatform  als „stark gefährdet“ gilt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war es vor allem das systematische Absammeln für den mittel- und nordeuropäischen Haustiermarkt, das viele Populationen an den Rand der Ausrottung brachte. Folgerichtig war T. hermanni von Anfang an, seit 1975, im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen  (CITES) in Anhang II aufgeführt. Seitdem gilt für die Unterzeichnerstaaten ein vollständiges Handelsverbot für aus der Natur entnommene Tiere. Mit dem Beitritt der großen europäischen Abnehmerländer zur Artenschutzkonvention, überwiegend in den Jahren 1976 bis 1978, brach der Markt für den Export weg, auch wenn die meisten Heimatländer der Griechischen Landschildkröte erst sehr viel später unterzeichneten. Griechenland und die Türkei traten zum Beispiel erst 1993 beziehungsweise 1996 bei.
In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen. Seit 1996 sind das die so genannten EU-Papiere mit Identifikation einzelner Individuen. Zunächst mussten Tiere über 500 Gramm mit elektronischem Mikrochip versehen werden. Jetzt wird eine Fotodokumentation mit Fotos von Rücken- und Bauchpanzer verlangt, da die Form der Schilde die einzelnen Tiere unveränderlich kennzeichnet. Ohne diese Papiere ist eine Weitergabe in der gesamten Europäischen Union illegal und wird bestraft, genauso wie eine illegale Einfuhr aus den Herkunftsländern, zum Beispiel als Touristensouvenir.
Michael Kandzia  •  Schneekoppenweg 16  •  42655 Solingen
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