Ernährung

Als die erste Welle von Landschildkröten in den 70er Jahren in den Handel kam, war nicht sehr viel über die natürliche Haltung bekannt. Dies hat sich vor allem in den letzten 10-20 Jahren geändert.
Man muss sehr genau schauen woher und vor allem aus welcher Zeit, erhaltene Informationen stammen. So sind immer noch viele Bücher mit veraltetem Wissen im Umlauf. Es finden sich auch immer wieder noch Halter und Züchter die Teile des alten Wissensstandes gebrauchen. Mein rat an Sie: Filtern Sie sehr sorgfältig, hinterfragen Sie und glauben Sie nicht jedes Wort auf Anhieb! Gerade das Internet ist da eine sehr trügerische Quelle. Es tummeln sich immer wieder „pseudo- Experten“ in Foren und auf Internetseiten herum die halb- oder Unwahrheiten verbreiten.

Kommen wir nun aber zur Ernährung der Landschildkröte. In der Obhut des Menschen und in unseren Breitengraden ist dies nicht so ganz einfach. Die meisten Landschildkröten sind Allesfresser. Nicht so wie wir. Sie sind von Natur aus mit einem Verdauungssystem ausgestattet was für Pflanzenfresser optimiert ist, aber dennoch fressen sie alles. Dabei spielt es kaum eine Rolle ob das Futter nahrhaft oder eher schädlich ist. Man kann dies gut mit einem Kleinkind vergleichen. Dies würde die Schokolade auch immer der Karotte vorziehen wenn beides auf dem Tisch läge.
Im Habitat fressen die Schildkröten instinktiv das was ihnen vorgesetzt wird. Die Vegetation ändert sich jahreszeitlich, ist sehr karg, süße Früchte sowie eiweißreiche Nahrung in form von z.B. Schnecken eher selten. Wenn dann mal eine gefunden wird, wird diese natürlich gierig gefressen. Siehe auch Verdauung.

Diesem Trieb folgen die Tiere auch in Gefangenschaft und ernähren sich so unausgewogen, da unser Habitat deutlich „fetter“ ist.


Hauptfutter für Landschildkröten
Die (Un)kräuter im Garten sind das beste Schildkrötenfutter. Dies ist der beste Merksatz!
Eine gute Auswahl an geeigneten Pflanzen erhalten Sie unter Futterpflanzen.

Futterpflanzen sollten folgende Kriterien erfüllen:
  • eiweißarm, unter 10%
  • kohlenhydratarm (zucker- und stärkearm), unter 5%
  • kalorienarm
  • ballaststoffreich, über 25%
  • vitamin- und mineralstoffreich
  • kalziumreich

Nahrung sollte zweimal täglich angeboten werden. Besser ist es wenn sich die Tiere ihr Futter selber suchen und ihre Futterzeiten selber einteilen. Dies fördert den Bewegungsdrang der Tiere. Meine Tiere sind alle Selbstversorger!

Hunde- und Katzenfutter ist strickt verboten!!! Der Fett- und Eiweißgehalt dieser Futtermittel ist zu hoch und die Proteine sind meistens tierischen Ursprungs.

Fertigfutter aus dem Handel, auch wenn als „Landschildkröten Futter“ deklariert, ist strickt verboten!! Der Proteingehalt liegt hier oft bei weit über 30%.
Einzige Ausnahme bilden so genannte Heucobs der Firma PreAlpin.

Vitaminpräparate sind strickt verboten!! Die Tiere werden oftmals schwer geschädigt, da die richtige Dosierung schwierig ist. In Multi-Präparaten ist zudem oft Vitamin A und D in einer viel zu hohen Konzentration enthalten. Hautablösungen, Infektionen sowie Panzererweichung können, als eins von vielen Beispielen auftreten.

Jahreszeitenzyklus
Hier bietet die Natur eine gute Orientierung. Das Fressverhalten ist vom jahreszeitlichen Angebot in ihren  Herkunftshabitaten abhängig. Im Frühjahr ist das Nahrungsangebot am größten. Viel saftiges Grün und blühende Wildkräuter. Ab Juni bis August werden fast nur noch getrocknete Pflanzen gefunden. Samen, Wurzelteile und trockene Blätter werden gefressen. Im September und Oktober gibt es wieder vermehrt Niederschläge. Die feuchtwarme Witterung lässt wieder die verschiedensten Futterpflanzen wachsen und das frische Grün beschert noch einen letzten reich gedeckten Tisch. Der November dient dann schon mehr der Vorbereitung auf die Winterruhe und es wird fast nichts mehr gefressen.
Michael Kandzia  •  Schneekoppenweg 16  •  42655 Solingen
 www.schildkroeten-planet.de