Artenschutz

Alle europäischen Landschildkröten sind in ihren Heimatländern im Bestand bedroht. Die IUCN stuft den Gesamtbestand der Griechischen Landschildkröte als „gering gefährdet“ ein, während die Nominatform als „stark gefährdet“ gilt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war es vor allem das systematische Absammeln für den mittel- und nordeuropäischen Haustiermarkt, das viele Populationen an den Rand der Ausrottung brachte. Folgerichtig war T. hermanni von Anfang an, seit 1975, im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) in Anhang II aufgeführt. Seitdem gilt für die Unterzeichnerstaaten ein vollständiges Handelsverbot für aus der Natur entnommene Tiere. Mit dem Beitritt der großen europäischen Abnehmerländer zur Artenschutzkonvention, überwiegend in den Jahren 1976 bis 1978, brach der Markt für den Export weg, auch wenn die meisten Heimatländer der Griechischen Landschildkröte erst sehr viel später unterzeichneten. Griechenland und die Türkei traten zum Beispiel erst 1993 beziehungsweise 1996 bei.

In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen. Seit 1996 sind das die so genannten EU-Papiere mit Identifikation einzelner Individuen. Zunächst mussten Tiere über 500 Gramm mit elektronischem Mikrochip versehen werden. Jetzt wird eine Fotodokumentation mit Fotos von Rücken- und Bauchpanzer verlangt, da die Form der Schilde die einzelnen Tiere unveränderlich kennzeichnet. Ohne diese Papiere ist eine Weitergabe in der gesamten Europäischen Union illegal und wird bestraft, genauso wie eine illegale Einfuhr aus den Herkunftsländern, zum Beispiel als Touristensouvenir.

Das Handelsverbot für griechische Landschildkröten hat die Bedrohung durch den Menschen nicht beendet. Vor allem die Zerstörung angestammter Lebensräume durch Baumaßnahmen, Urbarmachung von Brachland, zum Beispiel durch Brandroden, Einsatz schwerer Maschinen und Herbiziden, aber auch Überweidung durch Nutztiere (Schafe und Ziegen) entzieht den Landschildkröten, insbesondere den empfindlichen Jungtieren, Nahrung und Schutz vor Austrocknung beziehungsweise vor Fressfeinden. Wenn der Verlust an Habitat weiter wie bislang fortschreitet, wird der Landschildkrötenbestand zum Beispiel in Griechenland in 100 Jahren auf 20 bis 40 Prozent gesunken und zum Ende des Jahrtausends erloschen sein. Zudem leben viele Populationen durch die Zerstückelung der Landschaft voneinander isoliert, was langfristig durch Verringerung der Genvielfalt die Erhaltung der Art ebenfalls bedroht, wenn auch signifikant weniger als der Verlust an Lebensraum.[8]

Um die völlige Ausrottung der Griechischen Landschildkröte zu verhindern, gibt es in den Heimatländern einige - zum Teil umstrittene - Artenschutzprojekte. Für die letzte Population der besonders gefährdeten Nominatform T. h. hermanni auf der iberischen Halbinsel wurde 1986 in den Ausläufern der östlichen Pyrenäen der Nationalpark Parc Natural de l'Albera eingerichtet, von dem aus auch drei Wiederansiedlungsprojekte in Katalonien betreut werden. In Südfrankreich kümmert sich das SOPTOM-Projekt in Gonfaron neben dem Erhalt von natürlichen Lebensräumen um die Versorgung von Verkehrs- und Brandopfern und die Vorbereitung zur Wiederauswilderung einiger lange in Gefangenschaft gehaltener Tiere. Weitere, zum Teil private Naturschutzprojekte sind das Carapax Center in Massa Marittima, Italien, und O AETOS e. V. in Platamonas, Griechenland.
Quelle: wikipedia.de (GNU-Lizenz)
Michael Kandzia  •  Schneekoppenweg 16  •  42655 Solingen
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