Adulte Tiere ab ca. 8 Jahren

2011 ist ein Beitrag von mir über den Neubau meiner Außenanlage für meine adulten Tiere veröffentlicht worden. Er ist auch kostenlos in der Testudo Welt, Ausgabe 13 nachzulesen.
Da ich dieses Projekt dort ziemlich detailliert ausgearbeitet hab, möchte ich hier im Prinzip nur meinen Beitrag wiedergeben, und nur das ein oder andere ergänzen.


Der Anlagenbau
Bevor es los ging musste ein grober Plan der Anlage in meinem Kopf entstehen. Ich gebe zu, eigentlich war das Bild schon lange fertig aber das ein oder andere Detail musste natürlich noch ausgearbeitet werden.
Die wichtigsten Eckpunkte für meine Haltung sind:

  • möglichst autark lebende und verpflegende Schildkröten
  • genügend Raum für eventuell nötige Trennungen
  • Gehegebegrenzungen die möglichst für mich und die Schildkröten nicht zu erkennen sind
  • Frühbeetgröße für evtl. Innengelege und länger Schlechtwetter Perioden bereitstellen
  • Eine gute Beobachtungsposition für mich ;-)

Der Rohbau
Im Frühjahr 2010 ging es dann endlich los. Die groben Außenmaße, sowie der Mauerverlauf wurden mit Messstangen abgesteckt. 13m * 7m sind es in der größten Ausdehnung geworden und ca. 80qm an Gesamtfläche. Eine Größe die meines Erachtens für meine 4 Damen plus ihrem Mann und eventuell später dazu stoßende Schildkröten gut ausreichen sollte.
Als erstes wurde nach dem Abstecken die Baugrube ausgehoben. Ich wollte eine möglichst freie Sicht auf das Geschehen im Gehege mit genug Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten für die Schildkröten erschaffen. Dies habe ich mit einer nach Süden hin verlaufenden Hanglage erschaffen. Die ersten 12t Erde mussten dann mit Hilfe von Hacke, Schaufel und Schubkarre weichen.
Dies hat viel Schweiß und familiäre Muskelkraft gekostet. Die heißen Wochen im Frühjahr haben dafür gesorgt dass mein lehmiger Boden steinhart war und nur mit viel Aufwand bewegt werden konnte. Was man nicht alles für seine Schildkröten in kauf nimmt…
Der Höhenunterschied von vorne nach hinten beträgt ca. 50cm – 60cm.

Als nächstes folgte die Gehegebegrenzung. Ich gestehe ich bin ein Natursteinfan. Schon in meinen anderen Gehegen habe ich mit solchen Mauern gute Erfahrungen gemacht.
Sie fügen sich schön in das Habitatbild ein, speichern die Wärme des Sonnenlichts und geben diese in den Abendstunden wieder ab. Ein wunderbarer Wärmepuffer, gerade für Gegenden die nicht durch so viele Sonnenstunden verwöhnt sind. Die Tiere empfinden die Mauer nicht als solche und schenken ihr außer zur Erwärmung keine besondere Beachtung.
Um zügig voran zu kommen und um meinen Rücken etwas zu schonen habe ich einen Kompromiss geschlossen. Die hintere, sowie die linke Wand sind aus 1m*0,25m großen Granit-Natursteinplatten. Sie sind 10cm in den Boden eingelassen und mit Mörtel fixiert. Als Fundament ist das meines Erachtens ausreichend. Ein anderes Gehege steht schon seit vielen Jahren so ohne Probleme. Ich habe zwei Reihen gesetzt die ungefähr 40cm Innenhöhe ergeben.

Die Frontseite (Südseite) ist aus demselben Material, allerdings in würfelförmigen Bruchsteinen gemauert. Sie ist geschwungen damit die Kröten nicht lange gerade aus laufen können.
Die Frontmauer ist in Hanglage unterhalb der Bodenebene, so sieht man vom Garten aus nur etwa 10cm der Mauer


Frühbeetbau
Für den Unterbau mussten hier dann die nächsten und hoffentlich letzten 4t Erde ausgehoben werden. Neugierige Nachbarn rätselten über den Zweck der Grube. Die Whirlpool Idee viel da öfter. Ob es wohl an den heißen Tagen lag? Ich weiß es nicht, aber als letzte Ruhestätte wäre sie gut geeignet gewesen und nach der ganzen Arbeit auch gar nicht mehr so abwegig.
Das Frühbeetfundament besteht 10cm starken Styrodurplatten© die mit Armiergewebe verstärkt und Armierkleber zusammengeklebt wurden. Die Größe beträgt etwa 1,2m*3,4m.
Auf dem Fundament steht ein Herbalium© Frühbeet mit Anbau von der Samenkiste. Es wurde mit Bausilikon auf dem Fundament befestigt und die inneren sowie äußeren Fugen abgedichtet.
Dahinter ist noch Platz für eine weitere Frühbeetverlängerung. Im Moment ist dies aber nicht geplant. Aktuell befindet sich dort das Schlafhaus welches identisch wie das Fundament aus Styrodurplatten abgedeckt ist. Wegen der Optik ist aber auf der Außenseite Zierdachpappe im Wabenmuster verklebt. Es sieht schöner aus als das Zementgrau und macht die ganze Konstruktion etwas Witterungsbeständiger. Der Deckel ist mit Nichtrostenden Scharnieren und Schrauben, direkt in den Styrodurplatten fixiert. So kann ich jederzeit das Schlafhaus kontrollieren und nötige Arbeiten bequem ausführen.

Die ganze Unterkonstruktion ist mit Natursteinplatten aus Quarzstein beklebt. Ein riesen Puzzlespiel an dem ich allein fast eine Woche gebaut hab. Denn einfach die Platten aufkleben kann ja jeder. Es sollte natürlicher und fürs Auge attraktiver aussehen. So wurden die Platten zerschlagen und mit Fugen wieder zusammengesetzt. Das Nadelöhr  waren fast immer die Schraubzwingen.
Innen habe ich mich dann doch dazu entschieden die ganzen Platten zu verkleben, da ich meinen Schildkröten dann doch das Auge für diese Form der Ästhetik abspreche. Oder einfach die Faulheit und die Zeitnot haben gesiegt.
Die ganze Konstruktion steht so in der Anlage, dass ich das Gehege etwa 2/3 zu 1/3 abtrennen kann.
Wenn z.B. irgendwelche Arbeiten wie z. B. Grünschnitt anstehen, oder das Männchen Hormonstau hat, kann man in ruhe die Tiere abtrennen und unbesorgt seiner Tätigkeit nachgehen.

Der Bodengrund im ganzen Frühbeet-/Schlafhauskomplex ist 1m tief ausgehoben, gesiebt, frei von größeren Steinen und mit Aussaaterde, Sand und Dolomitkalk gemischt. So entstand eine trittfeste aber denn noch grabfähige Bodenschicht. Die sich zur Eiablage und Überwinterung eignet. Letzteres ist aber nicht vorgesehen, aber man weiß ja nie. Vielleicht probiere ich doch irgendwann mal eine Alternative zum Kühlschrank aus.

Die Erdmix Rezeptur:
10kg Muttererde
5Kg Aussaaterde
1,5Kg Sand
1,5Kg Dolomitkalk

Mein Boden ist recht Lehmhaltig deswegen ist der Sand, Kalk Aussaaterde Anteil recht hoch. Für eine trittfeste und Grabfähige Konsistenz muss man die Werte an den eigenen Boden anpassen.


Technik
Das Herbalium + Anbau sind an allen Ecken mit VA-Winkeln stabilisiert. Ich finde die Frühbeete aus der Samenkiste sehr gut durchdacht. Als einzigen Kritikpunkt ist mir nur immer wieder die Stabilität aufgefallen. Die Seitenteile sind nur mit einfachen Plastikklammern/schienen befestig, die zumindest bei mir in allen Gehegen dazu neigen immer mal beim bewegen wieder raus zu fallen. Nach Befestigung mit den Winkeln ist aber alles bomben fest. An den Deckeln habe ich seitlich Führungsklötzchen befestigt die den Deckel immer in der Selben Position halten, ansonsten würden die 1cm-2cm  Spiel kein sauberes Schließen ermöglichen. Die Deckel haben innen eine Nut die sich in eine Feder auf den Seitenwänden schließt. Dies verhindert dass sich Ritzen bilden und Luftzüge entstehen.
Der Deckel liegt nur lose auf. Geöffnet wird er über eine genial einfache Konstruktion die ich aus dem Testudo-Forum abgeschaut habe. Ein U-Profil aus Aluminium wird oben an der Hinterwand mit einem Scharnier befestigt. Vorne wird das Profil über einen automatischen Fensteröffner an der oberen Vorderwand befestigt. Steigt die Temperatur, hebt sich das Profil und drückt gegen den Deckel, der aber nicht fest mit dem Alu-Profil verbunden ist und so ohne den Fensteröffner zu belasten immer manuell weiter angehoben werden kann. Beide Frühbeetteile haben diese Technik verbaut, wobei der Teil an der Schlafhausseite etwas früher schließt um die Schlafstätte länger ohne zuheizen auf Temperatur zu halten.

Die Technik im Frühbeet ist relativ einfach gehalten. Hermanni hercegovinensis sind da ja recht anspruchslos. Ein 150W HQI Strahler mit Osram Daylight Leuchtmittel gesteuert über eine Zeitschaltuhr für einen ständigen 40°C Wärmespot.
Zwei Heizmatten als Deckelheizung im Schlafhaus gesteuert über einen Thermotimer der mit einem Universalnetzteil betrieben wird (spart den Ärger mit leeren Batterien).

Daneben natürlich die Standards wie Trinkgefäß, Sepiaschalen und Sphagnummoos im Schlafhaus.


Struktur & Bepflanzung
Im Frühbeet ist der Bewuchs im Moment etwas karg. Die Schildkröten sind den größten Teil des Tages, auch bei schlechtem Wetter draußen auf Erkundungstour. So habe ich nur einen Lavendelbusch und einen kriechenden Rosmarien gepflanzt. Der Rosmarin wird gerne als alternativer Schlafplatz genommen.

In der ganzen Außenanlage wurde die oberste Erdschicht mit Aussaaterde und einem riesen Anteil an Dolomitkalk aufgewertet. Ein Gartenvertikutierer hat hier gute Dienste geleistet und das ganze gut vermischt.
Nach mehreren Regenfällen wurde der Dolomitkalk Anteil nochmals nachgefüllt so dass am Ende ca. 160Kg auf 80qm in 3 Streulagen aufgebracht sind. Die ersten beiden sind schon in den Boden eingesunken, die oberste ist noch leicht zu sehen.

Überall im Freigehege sind Strassen aus Kalksteinbruch aufgeschüttet. Ich habe dazu Säcke der Fa. Red Sun, Sorte "Rosso Corallo" verwendet. Dies ist ein ganz leicht rosa stichiger Kalksteinmix 50:50 mit einer anderen Steinsorte. Alternativ gibt es vom gleichen Hersteller "Yellow Sun" als reinen Kalkstein der aber im Moment nicht vorhanden war. Ich habe mich bewusst zu der teuren Sackware entschieden, da sie mir optisch wesentlich besser gefallen als der dunkelgraue Kalksteinbruch aus unserer Gegend rund um Wülfrath.

Gepflanzt sind: Lavendel, Rosmarien, Thymian, Strohblumen, Deutzia, Fuchsie, Hibiskusbusch, Lilie, Zwerg-/Kriechkiefer, Aloe Vera, Fünffingerstrauch (Potentilla), Ginster, winterharte Palme und Bananenstaude.
Außerdem war schon vorher ein japanischer Schlitzahorn da, der hat Bestandsschutz! Und eignet sich auch als guter Schattenspender.
Eine Garten Yucca fehlt noch, dafür war zu der Zeit aber keine Saison in den Gartencentern.

Entlang der geschwungenen Mauer sind Futterkräuter auf etwa 50cm breite gesät (Samenkiste Futtermischungen). Meine Tiere sind alle Selbstversorger. Ich füttere nie zu. Überschüssige Futterkräuter werden bei mir abgeschnitten und getrocknet für die Notfälle in Übergangs-/Winterzeit. Meist landen sie aber doch größtenteils im Müll.
Der Kräutergarten hat eine Gesamtfläche von ca. 7qm.

Des Weiteren sind noch ein paar Hindernissteine, Stämme, Höhlen aus Blumentöpfen und Platten verstreut. Bei mir auffällig viele Lavasteine. Da diese in meiner Gegend (NRW) die Wärme deutlich besser und länger speichern.
Messungen über die Jahre zeigen bei mir bei Temperaturen von 25°C in der Sonne:
40°C dunkle Kalksteine, 50°C Lavasteine. Ich beobachte auch immer wieder wie die Schildkröten die Lavasteine bewusst zum aufwärmen nutzen. Verrückt oder tauscht man diese gegen normale dunkle, so dauert es nicht lange bis sie zu den Lavasteinen an anderer Stelle wandern.

Dazu kommen noch mehrere Wasserschalen aus Keramik. Ach ja und ein paar Steintiere sind zu Deko Zwecken auf der Mauer eingezogen.


Beobachtungen & Nachträgliches
Die Begrenzungsmauer ist mit seinen 40cm mehr als ausreichend. Die Tiere empfinden sich nicht eingegrenzt und versuchen auch nicht diese zu überwinden. 30cm hätten wahrscheinlich locker ausgereicht. Ein Sicherheitspolster ist aber nie verkehrt. Man weiß ja nie auf was für Gedanken eine Schildkröte so kommt.
Einzig das Mauerstück hinter dem Schlafhaus habe ich Pyramidenförmig erhöht da ich die Tiere schon mal auf dem Dach zum sonnen entdeckt habe und dort die Mauer dann nur noch ca. 20cm hoch war.

Die ersten Wochen hat sich am unteren Teil der Mauer das Regenwasser gesammelt. Jetzt hat sich das Wasser aber Wege gesucht zügig abzufließen. Nach starken Regenfällen bilden sich schon mal Pfützen, diese verschwinden aber in der Regel schon nach wenigen Stunden. Langsam wird der Lehmboden auch durch die Pflanzen umgewandelt und damit auch Wasser durchlässiger.

Das Kräuterbuffet wurde zur Gehegeseite mit einer niedrigen Steinreihe abgegrenzt. Die Tiere müssen sich also etwas anstrengen um an das Futter zu kommen und es verhindert den Wildwuchs. Zusätzlich wurde es auch noch um etwa 1qm auf 8qm vergrößert.

Im Schlafhaus war anfangs Kräuterheu zum verstecken verteilt. Dieser neigte aber zu schimmeln und wurde gegen Sphagnummoos  ausgetauscht.

Die Gartenyucca ist eingezogen :-)
Michael Kandzia  •  Schneekoppenweg 16  •  42655 Solingen
 www.schildkroeten-planet.de